Der Blumengarten

Der Lustgarten, oder auch der Blumengarten, gehört zu den bedeuteten Gartenkünsten auf der Welt. In der Weltperspektive gehört der Blumengarten zu den wichtigsten Gartenwerken.

In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ Bischof Karl von Lichtenstein-Castelcorno (1664–1695) den Lustgarten errichten. Von 1665 bis 1675 verläuft die erste Etappe des Aufbaues, die zweite Etappe wurde im 17. Jahrhundert. Den architektonischen Plan verfertigte Filiberto Lucchese (1607–1666) und nach seinem Tod wurden Umbauarbeiten vom berühmten Architekten und seinem Mitarbeiter Giovanni Pietro Tencalla (1629–1702) geendet.

Der Bischof hatte eine bestimmte Vorstellung nicht nur von der Baukunst, sondern auch vom neuen Garten. Seine Vorstellungen entsprangen neue europäische Impulse – ein Renaissancegarten. Die Ausprägung von Renaissancegärten unterschied sich im italienischen, französischen und deutschen Sprachraum. Das lag vor allem daran, dass in Italien mehrheitlich neue Anlagen im bislang unbebauten ländlichen Bereich entstanden, in Frankreich und Deutschland häufig Gärten an bestehenden Schlössern und Burgen angelegt wurde.

Der Lustgarten wurde auf einem viereckigen Grundriss mit geometrisch geschnittenen Hecken angelegt und gliedert sich aus zwei Teilen – Blumen- und Baumgarten. Eine Symmetrieachse führt von der Kolonnade mit dem Skulpturenschmuck über Ziergärten, Brunnen, die Rotunde, das Heckenlabyrinth, Wasserfläche, die Kegelbahn zu zwei Erdbeerhügeln. Weitere Zier- und Wirtschaftsgebäude als das Orangeriegebäude, holländischer Garten und riesiges Glasgebäude, der Wirtschaftshof, das Fasanenhaus, der Kaninchenhügel sowie das Vogelhaus, ergänzen eine Symmetrieachse auf der östlichen Seite des Lustgartens.

Der Lustgarten in seiner ehemaligen Gestallt aus dem 17. Jahrhundert repräsentiert eine Wendezeit in der Entwicklung der europäischen Gartenkunst. Der Lustgarten weist nicht nur auf italienische und deutsche Denkmalen der Spätrenaissance hin (Villa d´Este in Tivoli, Vila Doria Pamphili in Rom, Residenzgarten in München, Hortus Palatinus in Heildelberg, Neugebäude bei Wien und Vila Anghiana in Belgien), sondern auch auf einen französischen und barock-klassizistischen Gartentyp, der seine Inspiration in Versailles hatte. In einem breiten europäischen Kontext wird der Lustgarten in Kremsier als ein einzigartiger Gertenkomplex bezeichnet.

 

Während des 18. und 19. Jahrhunderts, wann sich die Rezeption der bildenden Kunst und der Kultur veränderte, wurden im Lustgarten neue Glashäusern und ein Wirtschaftshinterland für das Schloss gebaut. In den 40er Jahren des 19. Jahrhundert, während der Amtszeit Maxmilian Joseph Sommerau-Beckh (1837–1853), wurde der Lustgarten hergerichtet. Ende des 19. Jahrhundert, während der Amtszeit Theodor Kohn (1893–1904), wurde noch die Rotunde renoviert.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts leitete der Architekt Pavel Janák (1882–1956) die Revitalisierung der beschädigten Teile des Lustgartens. Der Lustgarten wurde zusammen mit dem Schloss und dem Schlosspark im Jahre 1998 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Durch die Renovierung konnte der Lustgarten in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt werden. An dem Projekt arbeiteten Architekten D.R.N.H. zusammen mit Transat Architekten.

Nach der Rekonstruktion wurde der Lustgarten mit dem Festival der Barockkultur Hortus Magicus (vom 6. bis 7. September 2014) festlich wiedergeöffnet. Damals entstand auch eine Tradition Hortus Magicus und jährlich am ersten Wochenende im September haben die Besucher Möglichkeit Theater-, Ballett- und Operaufführungen, Konzerten, sowie Feuerwerke, Spiele für Familien und Workshops zu besuchen.

Ganz neu steht ihnen zur Verfügung ein neuer touristischer Führer für Handy und Tablets. Das Projekt „Acht Wege in den Lustgarten“ wurde dank des Programms „Unterstützung für Denkmäler auf der Welterbeliste der UNESCO“ von dem Kulturministerium der Tschechischen Republik. Diese App soll als eine Inspiration für andere historische Gärten in der Tschechischen Republik dienen. 

Es ist möglich eine App „Acht Wege nach dem Lustgarten“ als ein QR Cod direkt einzulesen.